bei Halle an der Saale
Willkommen in Dölau
Geschichten von Dölau
Auf dieser Seite werden Geschichten, Überlieferungen und Tatsachen zu lesen sein. Gleichzeitig werden Sie neben Erlebnisberichten von Dölauer Einwohnern, auch Veröffentlichungen und Meinungen zu bestimmten Problemen finden. Heute geht es um …
                                                                                           Bisher veröffentlicht (teilweise im Archiv vorhanden): Bernd Wolfermann, Geschichte über die Entdeckung der Kohle in Dölau Bernd Wolfermann, Das erste buddhistische Haus von Deutschland in Dölau Günter Hübner, Unser Haus und die Bombe  Dr. Jörg-Thomas Wissenbach, Die Geschichte von Dölau in den Dölauer Heften Bernd Wolfermann, Das Orts-Statut (Straßenreinigung) von Dölau aus dem Jahr 1908 Dr. Jörg-Thomas Wissenbach, Kleines Dorf mit viel Kirche Dr. Walter Müller, Führung über den Dölauer Friedhof (Videoaufzeichnung durch Bernd Wolfermann) Dr. Christian Richter, Der Architekt des Dölauer Krankenhauses Dr. Jörg-Thomas Wissenbach,  Dölauer Kleingartenvereine Bernd Wolfermann, Video vom Tag des Geotops in Dölau Jurina Augustin / Bernd Wolfermann - Eine Dölauer Schweinegeschichte (Juni 2018)   Günter Hübner, Erinnerungen (März 2019)                                                      Bernd Wolfermann, Ein Brief aus Holland (Mai 2019) Bernd Wolfermann, Geschichte der Villa Wentzel (Juli 2019) Bernd Wolfermann, Kommen immer mehr Wildtiere in unsere Gärten? (Januar 2020) Hans-Dieter Marr,  … Der 14. April 1945 — die Amis sind da!  Hans Joachim Schramm, Liebevolle Tiere mit fuchsigem Fell in der Dölauer Heide (September 2020) Volker Tietze, Meine Dölauer Kindheit - Als es in der Mansfelder Straße brannte                     
Die Geschichte einer Währung: Dölauer Mark  Im Jahre 1992 begann der Jugendpfarrer Helmut Becker, inspiriert durch die Schwundgeld-theorie des Silvio Gesell, einen Tauschring zu gründen. In den Ursprüngen sollte die Villa Jühling, das Pfarrgemeindehaus, als Tagungstätte ausgebaut werden. Einen Kredit wollte er zu diesem Zweck nicht aufnehmen, da dies zusätzliche Kosten durch Zinsen, und somit höhere Übernachtungskosten in der Tagungsstätte bedeutet hätte. Alle, die bei den Renovierungsarbeiten mithalfen, bekamen ihre Leistungen nicht in DM, sondern mit einem Anrechtsschein der "Dölauer Mark", döMark vergütet. Später hatten die Helferinnen und Helfer dadurch ein Anrecht auf Leistungen der Tagungstätte. Um nicht mit dem Bankengesetz in Konflikt zu kommen, wurde die döMark später in döMak, „Dölauer Mitarbeiterkredit" umbenannt. Die Vergütung der Leistungen orientierte sich an der DM. Sie sollte so geartet sein, dass sich ein Mitglied mit 2 Stunden sinnvoller Tätigkeit eine Übernachtung in der Tagesstätte leisten kann. Für eine Stunde Arbeit in der Villa bekamen die Mitglieder 10 döMak. Das interne Verrechnungssystem des Tauschrings war so ausgelegt, dass das Guthaben-Konto zinslos um 200 döMak überzogen werden, auf der Haben- Seite jedoch unbegrenzt Guthaben vorhanden sein kann. Zusätzlich verlor das döMak-Guthaben jeden Monat 1% seines Werts. Durch diese Maßnahme sollte die döMak in Umlauf gehalten werden. Zu Beginn war die döMak-zinsfreie Region ausschließlich auf die Villa Jühlig begrenzt. Später wurde sie jedoch erweitert. Mit einem Tausch- verhältnis von 1:1 gehörte der Tauschring in Halle zu den geld-orientierten Tauschringen in Deutschland. 1) Unterstützer bei der Erweiterung der zinsfreien Region wurde 1995 unter anderem Peter Sodann. „In Halle akzeptiert das Neue Theater neben der D- Mark jetzt auch "döMak" als Zahlungsmittel. Mit der "döMak" werden Dienste abgerechnet und bewertet: Babysitten gegen Brotbacken, Renovieren gegen Tapezieren. Geht der Tausch nicht ganz auf, schreiben Becker & Co. "döMak" einem Konto des Tauschpartners gut. Selbst in drei Bars fließt Bier gegen 'döMak'“, schrieb der „Focus“ 1996. 2)   Ulf Dräger schrieb im Numismatisches Nachrichtenblatt (März 1997): Je mehr Mitglieder dem Tauschring angehörten, umso vielfältiger wurden die angebotenen Leistungen und das System für den einzelnen interessant. Die 50 Mitglieder setzten in den ersten drei Jahren immerhin 50.000 döMak um. Im Ausstieg aus dem regulären Geldkreislauf sieht der Initiator Helmut Becker große Vorteile, denn "über die döMak können Geschäfte abgewickelt werden, die sonst nicht zustande kämen, weil kein Geld da ist". Die Mitgliedsbedingungen des Tauschringes gehen    davon aus, dass eine döMak eine Deutsche Mark     repräsentiert. Reizvoll ist der Tauschring vor allem für Schüler, Studenten und Arbeitslose, die mittels döMak ihr finanzielles Budget z. B. über die Mitarbeit in Vereinen verbessern können, aber auch für Kleinunternehmen und kommunale Einrichtungen, die trotz finanzieller Engpässe Leistungen annehmen oder anbieten wollen. 3) In Deutschland gilt der "dömak"-Tauschring Halle, initiiert durch Pfarrer Helmut Becker als der erste seiner Art. Während Anfang 1995 gerade einmal ungefähr zehn Tauschringinitiativen in der Bundesrepublik Deutschland gezählt wurden, sind es Anfang 1999 bereits über 200. 4) Die Würdigung dieser Dölauer Initiative erfolgte am 13.04.1997. In der Ausgabe anlässlich der Verleihung des 33. Theodor-Heuss-Preis 1997 schreibt die Theodor-Heuss-Stiftung, Stuttgart: „Eine Theodor-Heuss-Medaille für 1997 wird dem DöMAK Tauschring in Halle an der Saale und seinem Initiator Helmut Becker zuerkannt für ihre, aus der Erfahrung in der Jugendbildungsarbeit in der »Villa Jühling« im Stadtteil Dölau gewachsenen Initiative, durch einen Tausch von Tätigkeiten und/oder Gütern, einen bargeldlosen Kreislauf von Angebot und Nachfrage geldwerter Leistungen in Gang zu bringen. In einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit und spürbarer  Kürzungen finanzieller Zuwendungen des Staates, ermöglicht die Verwirklichung dieser  aus England stammenden Idee des »Local Exchange Trading Systems« - nicht nur neue kreative Formen der wechselseitigen Selbsthilfe, vor allem schafft sie bei allen Beteiligten Möglichkeiten, brachliegende  persönliche Fähigkeiten zu aktivieren und zu entfalten, Ausgrenzungen abzubauen, durch persönliche Kontakte Bestätigung zu ernten und - auch ohne regelmäßiges DM-Einkommen - im solidarischen Austausch mit anderen, ein selbstbestimmtes, vielseitiges, oft sogar zu neuen Lebenserfahrungen führendes Auskommen zu erzielen. Mit der Zuerkennung einer Theodor-Heuss-Medaille soll dieser, unter einer wachsenden Zahl von Tauschringen wohl ältester in Halle  stellvertretend für alle Initiativen, die neue Formen des solidarischen Austauschs von Tätigkeiten und wechselseitiger Hilfe erproben - ermutigt und gefördert werden.“ 5)   Durch eine berufliche Neuorientierung von Helmut Becker im Jahre 1999 und anderer bisher ehrenamtlicher Helfer am Projekt „DöMAK“ kam es 2000 faktisch zur Auflösung. Die Bemühungen eine Stelle für die redaktionelle Arbeit, die Kalender- und Kontenführung bewilligt zu bekommen, schlugen fehl. Eine Alternative konnte nicht gefunden werden. Bernd Wolfermann, Juni 2021 Quellen: 1)  Bundeskoordination Studentischer Ökologiearbeit e.V.  Humboldt-Universität zu Berlin Hochschul-Umwelt-Info 4/2000, www.bsoe.info/hui/hui2000/hui_s_42000.pdf 2)  Tauschringe in Deutschland, FOCUS Nr. 25 vom 17. Juni 1996, Seite 179 bis 182 3)  Numismatisches Nachrichtenblatt; März 1997; Organ der Deutschen Numismatischen Gesellschaft; Seite 117 bis 120 4)  Diplomarbeit von Chr. Grünert, "Tauschringe – eine effiziente Alternative zum klassischen Markt?" 1999) 5)  33.Theodor-Heuss-Preis 1997-Texte und Urkunden S.8, Theodor-Heuss-Stiftung zur Förderung der politischen Bildung        und Kultur in Deutschland und Europa e. V., Waiblinger Straße 1-3, Stuttgart 1997 6)  Archiv Evangelisches Bildungs- und Projektzentrum Villa Jühling e.V.  
Archiv: Helmut Becker Archiv: Evangelisches Bildungs- und Projektzentrum Villa Jühling e.V. Archiv: Evangelisches Bildungs- und Projektzentrum Villa Jühling e.V. Archiv: Evangelisches Bildungs- und Projektzentrum Villa Jühling e.V. Archiv: Theodor-Heuss-Stiftung zur Förderung der politischen Bildung
Übergabe der Theodor-Heuss-Medaille 1997 an den „döMak-Tauschring“ (2.v. l. Helmut Becker)  5)
Ausschnitte eines Mitgliedsheftes des döMak-Tauschringes 6) Startseite Startseite Sehenswürdigkeiten des Ortes Sehenswürdigkeiten des Ortes Ortsgeschichte Dölau Ortsgeschichte Dölau Dölauer*innen vorgestellt Dölauer*innen vorgestellt Zum Anfang dieser Seite Zum Anfang dieser Seite Dölauer Zeitung Ereignisse Ereignisse Infos & Links Infos & Links Impressum Impressum Termine Termine In eigener Sache In eigener Sache Gästebuch